BILQISS
nach dem gleichnamigen Roman von Saphia Azzeddine

Kölner Theaterpreis 2017

Fotos (c) MEYER ORIGINALS

UA 22.09.2017, Theater der Keller, Köln
Eine Produktion von theaterblackbox köln

Mit Doris Plenert, Franziska Seifert, Susanne Seuffert
Bühnenfassung, Video, Ton & Regie: Ulrike Janssen
Bühne & Licht: Dietrich Körner
Kostüme: Maria Strauch
Technik & Bauten: Paul Hollstein
Assistenz: Julia Zange, Nadia Feyzi

Aufführungsrechte: Saphia Azzeddine / Éditions Stock, Paris  2016,  für die deutsche Ausgabe: Verlag Klaus Wagenbach / Kiepenheuer Bühnenvertrieb, aus dem Französischen von Birgit Leib, Bühnenfassung: Ulrike Janssen

Das Stück
Die junge Witwe Bilqiss soll gesteinigt werden, weil sie anstelle des betrunkenen Muezzin zum Morgengebet gerufen hat und zudem Make-up, Stöckelschuhe und sogar einen Lyrikband besitzt. Aber der Richter will das Urteil einfach nicht vollstrecken lassen. Tag für Tag besucht er die Verurteilte in ihrer Zelle, die sich frech verteidigt. Dann taucht auch noch Leandra, eine Journalistin aus dem Westen, auf, um Bilqiss beizustehen.

 

„Einer Frau ist es verboten, die Stimme zu erheben, das kann beim Mann Erregung auslösen!“
„In einer Aubergine einen Phallus zu sehen, Herr Richter, wer von uns beiden ist da verdorbener?“
„Es belastet und unterminiert mich, dieses Glück, ich zu sein und nicht Sie …“
„Ich darf nicht lachen, wenn Sie solche Sachen sagen, sonst töten sie mich.“

 

aus: Robert Kelly, Gewissheiten II, Die Maximen von Martin Taubenritter. Aus dem amerikanischen Engl. von Urs Engeler

Bilqiss (auch „Bilqîs“, „Bilkis“, „Balkis“) ist der im islamischen Kulturkreis verbreitete Name der Königin von Saba. Sie wird im Alten Testament, im Koran, in jüdischen und äthiopischen Schriften erwähnt. Unermeßlich reich und weise, soll sie im 10. Jahrhundert vor Christus an den Hof Salomos in Jerusalem gereist sein, um dessen Weisheit mit Rätseln und Fragen zu testen.

 

„Jeder denkt, er sei hier als Zeuge oder Anwalt oder sogar Richter. Aber eigentlich wird uns allen hier für unsere Leben der Prozess gemacht.“

 

 

 

 

aus: Fritz Breithaupt, Die dunklen Seiten der Empathie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2017.

„Empathischer Vampirismus wird verstanden als das miterlebende Aneignen des Lebens eines anderen ohne Rücksicht auf das langfristige Wohlergehen des anderen.“
„Die Grundform des empathischen Sadismus besteht darin, dass jemand eine Gefahr- oder Leidenssituation für einen anderen herbeiführt, fördert, wünscht oder toleriert, damit er Empathie mit dem Opfer fühlen kann.“
„Man fühlt sich ein, weil der andere zugrunde gehen wird.“